Zurück

KLIMA-MEER-RECHT

Dr. Arnd Bernaerts

Wann werden die richtigen Schlüsse aus den Ostsee-Eis Beobachtungen gezogen?

- Der schwächste Eiswinter in der Ostsee seit 1720 -  

Hier zur Diskussion gestellt am 10. April 2008   

Willkommen Besucher!  

Der Winter 2007/2008 könnte im Ostseeraum als der eisärmste Winter während der letzten 300 Jahre eingehen[1]. Dabei hätte die Saison 2007/08, so Dr. Holfort vom Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), mit einer ersten Eisbildung im November eigentlich ganz normal angefangen. Doch nun lägen die Eisausdehnung im Winter 2007/08 noch unter den Werten der als besonders mild geltenden Winter 1960/1961 und 1988/1989. So wie die Dinge in der Klimaforschung stehen, wird die minimale Eisausdehnung schnell der globalen Erwärmung angelastet werden. Doch wird so ein Schluss historischen Ereignissen und praktischen Einflüssen gerecht?

Da ist z.B. die hohe Nutzung der Ostsee durch die Schifffahrt. Solange die Ostsee nicht vereist ist, wirkt jede Schiffsfortbewegung wie ein Kochlöffel im Suppentopf. Selbst, wenn gegen Jahresende, die im Sommer gespeicherte Wärme (Grafik) dem Ende entgegengeht, bringt jedes fahrende Schiff wärmeres Wasser nach oben. Dieser Wasseraustausch minimiert eine ‚natürliche’ Eisbildung. Je mehr Wasser umgeschichtet wird, desto geringer oder später kommt es zur Eisbildung. Nun ist der Zuwachs und die Größe der Schiffe über die letzten 100 Jahre gewaltig gewachsen (Grafik - oben) und von der Welthandelsflotte sind ca. 15% permanent in der Ostsee unterwegs, was praktisch bedeutend, dass diese Armada in weniger als 14 Tagen einmal die gesamte Seeoberfläche der Ostsee über eine Tiefe von ca. 3-10 Metern umschichtet (Grafik - unten ca. Fläche pro Tag). Geschieht dies nicht zu plötzlich und die Auskühlung findet nicht zu früh statt, dann wird der Ostseeraum sich als wärmer darstellen und die Seeeisausdehnung geringer ausfallen. 

Was passiert, wenn durch exzessive Meeresnutzung die Ostsee zu früh ausgekühlt wird, wie in den drei Kriegswintern 1939/40, 1940/41 & 1941/42, ist bereits sehr ausführlich auf www.seaclimate.com dargestellt[2]. Möglicherweise durchwirbelten damals eine weit höhere Anzahl an Schiffen in Kampf-, Überwachungs-, Versorgungs- oder Trainingsauftrag die Ostsee, als dies heutzutage trotz der hohen Schiffszahl der Fall ist. 1939-1942 kam es zu den extremsten Eiswintern in Folge seit es Eisaufzeichnungen gab. Siehe Grafik "Western Baltic Sea Ice" mit den schwersten Eisbedinungen in der Dekade 1940-1949 seit 1500. Immerhin waren die 1930er Jahre in Europa vergleichsweise so warm wie die letzte Dekade[3] und bisher ist nicht erklärt worden, warum es sofort nach Kriegbeginn einen  gewaltigen Temperatursturz gab, der Nordeuropa die kältesten Winter seit über 100 Jahren bescherte. Über die letzten 100 Jahre habe Schifffahrt und Seekrieg das Klima wesentlich mit beeinflusst. Nun muss es auch noch die Klimaforschung  erkennen. 

Mit besten Gruß, 

DasTeam-Ozeanklima.De



 

[1] Pressemitteilung am 5 März 2008; „BSH: Der schwächste 'Eiswinter' in der Ostsee seit 1720“,     http://www.bsh.de/de/Das_BSH/Presse/Pressearchiv/Pressemitteilungen2008/06-2008.jsp  

[2] Das Material ist auch in deutsch zugänglich: „Krieg verändert Klima“, Norderstedt 2006 (siehe untere Box)

[3] See: in Archive of:  http://www.1ocean-1climate.com/archive.php : „Timo Niroma’s Helsinki temperature analysis can teach a lesson ‚Those who understand too little about climate, will be punished by life’“.