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KLIMA-MEER-RECHT

Ist da etwas, was Europa schneller warm macht? 
Ist es die Schifffahrt unterbrochen durch
Seekrieg (1939/40)?

Vor kurzem kamen  Oldenborgh & Kollegen (2008)[1] zum Ergebnis, dass sich Westeuropa schneller erwärmt als erwartet (s.u. Text-Referenz I): 

  • Dies sei nicht nur erkennbar an örtlichen Temperaturbeobachtungen, 
  • die erheblich starker ausfallen als von den Klimamodellen ermittelt. 
  • Dies könne bedeuten, dass der Einfluss des Menschen auf Klimaänderungen möglicherweise unterschätzt wird.

Auch E. Xoplaki (2006)[2] kommt zu entsprechenden Aussagen (s.u. Text-Referenz II):

  • Die wärmsten Herbste in über 500 Jahren waren 1938, 1772, 2000, und 2006.
  • Dabei war die Erwärmung über Skandinavien und Großbritannien am höchsten.
  • Bereits nach dem 1. Weltkrieg bis zum Ende der 1930er Jahre hätte eine sehr starke Erwärmung in Nordeuropa stattgefunden. 

Beide Autorenteams bieten nicht mehr als diese Feststellungen, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, mögliche Ursachen zu benennen und zu diskutieren.

Somit ist die Frage berechtigt: Ist da etwas, was Europa schneller warm macht? 

In einem Aufsatz zum „Extrem-Winter 1939/40“  (s. oben links) wird auf ein Zitat von Rodewald aus dem Jahr 1948[3] hingewiesen: Seit  dem 19.  Jahrhundert sind die Winter immer milder ausgefallen.  Umso erstaunlicher war das Auftreten der Serie von drei schweren Wintern nacheinander 1939/40, 1940/41, 1941/42, die nicht ein langsames Abklingen, sondern eine Zäsur darstellten.

Dies erlaubt - in Verbindung mit den zitierten Ergebnissen von Oldenborgh und Xoplaki folgende Thesen aufzustellen:

 (1)   Zum Ende der Warmphase in den späten 1930er Jahren (E. Xoplaki)

___Die Erwärmung seit dem ersten Weltkrieg, die im Herbst 1938 einen Höhepunkt erreichte, hätte sich in den folgenden Jahren fortgesetzt, wenn dieser Trend nicht abrupt durch  Seekriegsaktivitäten seit September 1939 beendet worden wäre. Es folgte der kälteste Winter seit über 100 Jahren in Nordeuropa.

 (2) Die ‚heißen’ Herbstjahre 1938 und 2000/2006

___Die nach dem 1. Weltkrieg permanent ansteigende Schifftonnage sowie Schiffstiefgang und Geschwindigkeit, steigerten im Herbst die Wärmeabgabe. Dadurch wird der Herbst in den betroffenen Regionen wärmer als der in anderen Vergleichsregionen. 

___Nach dem 2. Weltkrieg hat sich  der Ablauf von 1919 -1939 im verstärkten Maße wiederholt, so dass die Ostsee im Winter 2007/08, mit dem schwächsten Eiswinter seit 1720 zu Buche schlägt. Inzwischen befahren permanent 2000 größere Schiffe die Ostsee.  Darauf wurde bereits in einem Beitrag vom 16. August hingewiesen. Vgl. dazu den Beitrag auf ‚ozeanklima’ vom 10 April 2008 (siehe Brief-Archive) „Wann werden die richtigen Schlüsse aus den Ostsee-Eis Beobachtungen gezogen? - Der schwächste Eiswinter in der Ostsee seit 1720 - “  

FAZIT: Auch wenn die beiden Erwärmungsphasen in Nordeuropa einige ‚Väter’ haben dürften, die Nutzung der Nord- und Ostsee durch Schifffahrt, Fischerei, Off-shore Wind- und Bohranlagen sind sicherlich ein nicht ganz kleiner Faktor in diesem Geschehensablauf. 

AB/Aug.2008

TEXT- REFERENZ I :

Oldenborgh, 2008, in „Western Europe is warming much faster than expected“, 

  • The warming trend of the last decades is now so strong that it is discernible in local temperature observations. 
  • The observed temperature trend in western Europe over the last decades appears much stronger than simulated by state-of-the-art GCMs.
  • This implies that climate predictions for western Europe probably underestimate the effects of anthropogenic climate change. 

TEXT- REFERENZ II:

E. Xoplaki & Kollegen, 2006,  “Autumn 2006 is Very Likely the Warmest of Over More Than Half a Millennium”,

  • The previous warmest autumns covering the last 507 years were in 1938, 1772 and 2000.
  • ...over the last 30 years, the strongest autumn warming ...was experienced over Scandinavia and the British Isles. 
  • It is interesting to note that the previous autumn warming from World War 1 to the late 1930s did also show strongest warming over northern Europe.


[1] Oldenborgh, Geert Jan van, Sybren Drijfhout, Aad van Ulden Reindert Haarsma Andreas Sterl, Camiel Severijns Wilco Hazeleger Henk Dijkstra, 2008; „Western Europe is warming much faster than expected“; http://www.knmi.nl/publications/fulltexts/why_is_europe.pdf

[2] Elena Xoplaki, “Autumn 2006 is Very Likely the Warmest of Over More Than Half a Millennium”, http://scitizen.com, 23 Dec. 2006, Auf weitere Referenzen verweist der Beitrag.

[3] M. Rodewald, 1948, „Das Zustandekommen der strengen europäischen Winter“, in: Annalen der Meteorologie, Heft 4/5, S. 97



[1] Konrad Kleinknecht, FAZ, 14. September 2007.

[2] Intergovernmental Panel on Climate Change

[3] Siehe dazu meine Ausarbeitung im Jahr 1992 für einen Vortrag bei GKSS (linke Spalte)

[4] Mit dieser Frage habe ich mich im Zuge meiner Doktorarbeit Anfang der 1970 Jahre sehr auseinandergesetzt und hätte eine Plannung unterstützt die vorsieht, das die Generation im Jahr 2200, noch wenigsten 50% der jetzigen fossilen Energiereserven zur Verfügung stehen.

[5] Z.B.:  World Meteorology Organisation (WMO),  United Nations Environment Programme (UNEP)

[6] United Nations Framework Convention on Climate Change, 1992, in Kraft seit 1994

[7] Auch in dem jüngsten IPCC Report – Glossary  (2007) wird Klima definiert als:  (a) “Climate in a narrow sense is usually defined as the average weather,…”.  (b) “Climate in a wider sense is the state, including a statistical description, of the climate system”. Kommentar: das ist weder logisch, noch macht solch ein Text viel Sinn, denn Wetter-Statisken werden nicht dadurch ‚etwas anderes’, weil man ihnen einen anderen Namen gibt.  

 


[1] http://www.pik-potsdam.de/~stefan/ ; Professor of Physics of the Oceans, Potsdam University  

[2] Arnd Bernaerts, „Versäumisse der Wissenschaft“,   DIE WELT, 26 April 1994, FORUM, Die andere Meinung, Seite 5.

[3] Bert Bolin,  “Next step for climate-change analysis”, Nature, Vol. 368, 1994, p. 94, here quoted with the statement: “More problematic are the popular articles in the daily press, written by people, often well-known in other areas, who do not know much about the basic scientific literature in the field.”

[4] UNFCCC, United Nations Framework Convention on Climate Change

[5] Statt dessen werden z.B. Klimaveränderungen und Klimasystem definiert, was keinen  Sinn macht, wenn man nicht vorher Klima definiert hat; siehe dazu diverse Artikel zugänglich,  Kasten links: Material in Deutsch

[6] S. Rahmstorf, H.J. Schnellhuber; “Der Klimawandel”, 4 Auflage 2007, Seite 98.

[7] Ditto, Seite 12

[8] Denn noch wird Klima in der Wissenschaftsliteratur als das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum definiert.

[9] Siehe das Kapitel 2 in “Der Klimawandel”, überschrieben „Die globale Erwärmung“, Seite 29 bis 52.

[10] Seite 13; Auszug: Klimaänderungen sind die Folge von Änderungen in dieser Energiebilanz.