Zurück

KLIMA-MEER-RECHT

Dr. Arnd Bernaerts

Ist Klima das Ergebnis einer Energiebilanz?

Über eine Definition von S. Rahmstorf und H.J. Schellnhuber. 
  - 02 Juni 2008 

Das Klima das Ergebnis einer Energiebilanz sei, wird von S. Rahmstorf und H.J. Schellnhuber im Buch „Der Klimawandel“ vertreten[1]. Konsequenterweise behaupten sie daher auch, das ‚Klimaänderungen eine Folge von Änderungen in dieser Energiebilanz’ sei. Damit haben die Autoren eine Definition in den Raum gestellt, die rein gar nichts erklärt und die sie auch selber in dem Buch nicht erklären. Dazu später mehr.  

Noch immer wird „Klima“ von der World Meteorology Organisation (WMO) definiert als die Summe des durchschnittlichen Wetters über einen längeren Zeitraum, z.B. 30 Jahre[2]. Daneben gibt es inzwischen viele weitere (siehe hier), die wenig erhellendes beitragen. Die Frage nach einer nachvollziehbaren Klimadefinition wird besonders dadurch unübersichtlich, weil die Welt zwar seit 1992 ein weltweit geltendes Klimarahmenübereinkommen (KRÜ) hat, die aber keine Definition über das - was Klima sein soll - vorhält. Stattdessen werde in Artikel 1, Abs. 2 & 3 des KRÜ u.a. die beiden folgenden Begriffe definiert, Klimaänderungen und Klimasystem: 

Nach Absatz 2. bedeutet "Klimaänderungen" Änderungen des Klimas, die unmittelbar oder mittelbar auf menschliche Tätigkeiten zurückzuführen sind, welche die Zusammensetzung der Erdatmosphäre verändern, und die zu den über vergleichbare Zeiträume beobachteten natürlichen Klimaschwankungen hinzukommen;

Nach Absatz 3. bedeutet "Klimasystem" die Gesamtheit der Atmosphäre, Hydrosphäre, Biosphäre und Geosphäre sowie deren Wechselwirkungen;

Da stellt sich zunächst die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass ein Übereinkommen, das im Namen das Wort ‚Klima’ enthält, überhaupt so benannt werden konnte. Darüber hinaus ist es eine Farce, wenn gesagt wird: „Klimaänderungen bedeutet die Änderung des Klimas, die...“. Schließlich ist auch „Klimasystem“ unsäglich, bedeutet es doch nicht mehr, als wenn man gesagt hätte: „Natursystem“. Das führende Klimatologen dazu nie ein Wort verloren haben, verwundert schon sehr. 

Nun haben die Autoren die Energiebilanz mit dem ‚Klima’ gleichgesetzt. Schon ein Blick zum Mond sollte einen erschaudern lassen. Dort sind die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht über 300 Grad Celsius und doch hat der Mond kein Klima.  Der ganz entscheidende Unterschied ist, dass die Erde viel Wasser hat. Wasser ist ein hervorragender Wärmespeiche über alle Zeitspannen hinweg, und von den Meeren werden permanent enorme Wärmemengen in die Atmosphäre eingespeist. Für die Erforschung des Klimas sei daher ein besseres Wissen über die Energiebilanz der Meere von Bedeutung, wie es z.B. von  Roger Piekle Sr, USA, vertreten wird[3]

Doch selbst, wenn man die Energiemenge messen und eine Energiebilanz aufstellen könnte, hätte man wenig gewonnen, um die Wirkungspotentiale der Meere bewerten zu können, da die Meere weit von jeglicher Uniformität entfernt sind und permanent riesige Massenverschiebungen, verursacht durch Temperatur- und Salzgehaltdifferenzen, sowie durch Wind (max. bis ca. 50 Meter Tiefe) stattfinden. Gerade einmal vier Grad Celsius beträgt die Durchschnittstemperatur der Meere. Die warme Meeresoberwasserschicht, selbst wenn man sie mit einigen hundert Meter Tiefe ansetzt, beträgt nur einen Bruchteil des Gesamtvolumens[4]. In diesem Zusammenhang ist das Wissen um die gesamte Energiemenge nicht besonders hilfreich, entsprechende Änderungen auch nicht. Wenn z.B. durch die innere Dynamik der Ozeane, warmes und kaltes Wasser von oben nach unten ausgetauscht wird, dann hätte sich rechnerisch an der Energiebilanz nichts geändert. Temperatur- und Salzgehalt sind ein viel entscheidender Faktor als die Energiebilanz, denn diese bestimmen die innere Dynamik der Ozeane, wobei  auch der Wind von den Vorgaben der Meere maßgeblich bestimmt wird. 

 Diesen Aspekten haben die Autoren S. Rahmstorf und H.J. Schellnhuber mit ihrer Formel „Klima sei das Ergebnis einer Energiebilanz“ wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Erst jetzt im April 2008 wurde bekannt, das alle Ozeane von gegenläufigen warmen und kalten Strömungsstreifen durchzogen sind, die sich bis zu mehreren 100 Meter Tiefe erstrecken[5]. Dieses sensationelle Forschungsergebnis der UNI Hawaii[6], bedeutet, dass Klima sicherlich nicht mit der irdischen Energiebilanz gleich gesetzt werden kann. Ohne eine ganz erhebliche Anstrengungen für den Aufbau und Betrieb eines ozeanischen Datenerfassungssystem, wie bereits vor 10 Jahren diskutiert[7], wird es nicht gehen. 

Da dies viel Zeit in Anspruch nehmen wird, sollte unverzüglich die Behebung der schweren Mängel des KRÜ von 1992 in Angriff genommen werden. Statt mit dem Phantasiebegriff „Energiebilanz“ aufzuwarten, sollten die Autoren auf Leonardo da Vinci hören: Wasser ist der Lenker der Natur“ („Water is the driver of nature“), während hier vorgeschlagen wird: „Klima ist die Fortsetzung der Meere mit anderen Mittel“. Wenigstens wüsste man dann, worum es im Kern beim Klima and Klimaschutz geht. 



[1] S. Rahmstorf und H.J. Schellnhuber, 2007, „Der Klimawandel“, 3.Aufl., München, S. 12, 13.  

[2] Siehe: WMO, Frequently Asked Questions (FAQs),
 http://www.wmo.ch/pages/prog/wcp/ccl/faqs.html

[4] Die Durchschnittstief der Meere beträgt ca. 3600 Meter und  ca 97% aller irdischen Wasservorräte sind Meerwasser.  

[5] Catherine Brahic, 2008 „ Magazine issue 2652  Mysterious striped currents revealed in the oceans“, New Scientist, Issue 2652, 
http://environment.newscientist.com/channel/earth/mg19826524.700-mysterious-striped-currents-revealed-in-the-oceans.html 

[6] University of  Hawaii & Scripps Inst., San Diego, Mysterious currents in our oceans; Image: Nikolai Maximenko, University of Hawaii.
http://www.soest.hawaii.edu/soest_web/images/Maximenko_Uga_eqrec_1000px.jpg

[7] Bernaerts, A.; 1997, „Could the Black Sea serve as model case for progress in ocean observing, assessment and legal development“, Verein der Freunde und Förderer des GKSS-Forschungszentrums, Geesthacht, ISSN 0934-9804, Seiten 58. Oder als PDF, HMTL, DOC  u.a. auf:  http://www.1ocean-1system.de/