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Jochem Marotzke über eine Erdvereisung
Ein Vortag auf dem 4. Extrem-Wetter-Kongress in Bremerhaven Februar 2009
Hier eingestellt am 01 März 2009

 „Wenn die Erde zum Eisball wird“, wollte Prof. J. Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie erklären, denn man habe vor wenigen Jahren festgestellt, das es in der Fachliteratur dazu keine Antworten gibt.  Es geht um die Frage wie sich beim plötzlichen „Abschalten“ der Sonne die Erde verhält. Dazu hätten gekoppelte Modelrechnungen ergeben, dass die Ozeane innerhalb von 15 Jahren zufrieren. 

 So neu ist diese Frage jedoch nicht. Schon im Jahr 1981 hatte das Standardwerk: „Die Sonne“, im Geo-Verlag, beschrieben was unmittelbar nach einem Ausbleiben der Sonnstrahlen nach Tagesbeginn passiert[1]. Es wird alsbald regnen wie bei der Sintflut. Das lässt ich leicht erklären.  Durch den einsetzenden Temperaturabsturz kommt die Luftfeuchtigkeit zunächst als Regen und dann als Schnee nieder. In der Sahara würde schon am Nachmittag die ersten Beduinen erfrieren. Dann kommt es zu schweren Orkanwinden und Zerstörungen. 

Das Szenario  wurde  auch in der Presse erklärt. Z.B. führte Michael Schweer im Hamburger Abendblatt am 13 Juni 1989 folgendes aus: 

Es wäre der Anfang eines dramatisch kurzen Untergangs unserer Welt. Wenn man berücksichtigt, dass schon bei einer nur wenige Minuten anhaltenden Sonnenfinsternis die Temperaturen sofort um fünf bis zehn Grad absinken, lässt sich leicht ausmalen, dass die Quecksilbersäule binnen Stunden ins Bodenlose stürzen würde. Da keine Wärme mehr auf die Erde einströmt, würde der Wasserdampf in der Luft kondensieren und am ersten Tag in gewaltigen Regengüssen herabprasseln. Doch schon am nächsten Tag ginge der Regen wohl in Schnee über, und am dritten Tag wäre die Erde mit einer dünnen Eisdecke überzogen. Der Anfang vom Ende. Schon nach zwei Wochen wäre alles höhere Leben an Land bei klirrendem Frost von minus achtzig Grad erloschen. Und dann begännen auch die Ozeane, die bis dahin noch wegen der gespeicherten Wärme der Kälte trotzen konnten, zuzufrieren. Bei weiter sinkenden Temperaturen würde sich schließlich die Luft verflüssigen, die am Ende bei Temperaturen um minus 245 Grad als dicke Suppe von zehn Meter Höhe auf dem ganzen Globus herumschwappt. Die Berge, die hinausragen, stünden unter einem kristallklaren Nachthimmel. Doch das faszinierende Firmament könnte keinen mehr begeistern: In weniger als hundert Tagen wäre aus dem blauen Planeten ein toter Tiefkühlball geworden.

Würde es wirklich 15 Jahre dauern bis die Ozean zufrieren oder nur einige Monate? Welchen Wert hat diese Frage für die diskutierte Klimaerwärmung und die Eisschmelze in der Arktis? Nun arbeitet der Doktorand Aiko Voigt an dem Eisball-Thema und es werde zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen sagt Prof. Marotzke; dazu siehe Anmerkung.  Der Glaube an Modellrechnungen die mehr erklären könnten als das Hamburger Abendblatt vor 20 Jahren, ist schon erstaunlich. 

ANMERKUNG http://adsabs.harvard.edu/abs/2007AGUFMPP23B1337V

Voigt, A. & J. Marotzke, The Transition From the Present-Day Climate to a Snowball Earth Simulated With a Comprehensive Climate Model (Extract)

HINWEIS ab März 2009 

“How Spitsbergen Heats the World”

          Recently, Marotzke and Botzet (2007) have shown that in a comprehensive climate model both the current climate and a completely ice-covered Earth are stable states under today's total solar irradiance (TSI) and greenhouse gas concentrations. By setting TSI to near-zero they were able to cause a transition from the present-day climate to the ice-covered state within 15 years.

         Our results indicate that a snowball Earth could, in principle, be triggered by a brief decrease of TSI. [Marotzke, J. and M. Botzet (2007), Present-day and ice-covered equilibrium states in a comprehensive climate model, Geophys. Res. Lett., Vol. 34, No. 16, L16704].

 

 

 

[1] Ekrutt, Joachim.W.: Die Sonne, Geo Verlag Gruner+Jahr 1981, ISBN 3570017206; 2. Auflage 1983.