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KLIMA-MEER-RECHT
Dr. Arnd Bernaerts
 

 

 Stefan Brönnimann : El Niño beeinflusst Klima in Europa; Die kalten Winter 1940-1942


Hamburg, 19. Oktober 2007

Sehr geehrter Web_Besucher,

Vor drei Jahren brachte S. Brönnimann[1] die extremen Temperatureinbrüche während der Winter 1940-1942 ins Gespäch. Danach sollen diese drei ungewöhnlich kalten Kriegswinter des 2. Weltkrieges durch hohe Ozonwerte und  einem El Niño maßgeblich verursacht worden sein. Darüber berichteten 3Sat[2] und der der Hessische Rundfunk[3] mit einem gleichlautenden Beitrag, der mit dem Satz abschloß: „Um den künftigen Klimawandel einschätzen zu können, muss man die Mechanismen der Vergangenheit verstehen“. Insoweit ist der Brönnimann’s Beitrag sehr zu begrüßen. Doch von einer überzeugenden Erklärung der kalten Kriegwinter ist der Beitrag weit entfernt.

Zum einen wird nicht erklärt, wie ‚ungewöhnlich hohe Ozonwerte’ –so sie denn existiert haben- während der Winterzeit zu tiefen Temperaturen beigetragen haben können, und sich dies im wesentlichen auf Nordeuropa beschränkte. Darüberhinaus ist aber insbesondere der behauptete Zusammenhang mit einem El Ni
ño nicht überzeugend[4]. Zum einen hatte ein El Niño bereits im Spätsommer 1939 seine Höhepunkt erreicht. Der ‚Dynamik’, die diesen Ereignissen zugrunde liegt, widerspricht, daß es einen drei Jahre andauernden El Niño gegeben hat. Dazu habe ich bereits in einem Aufsatz zu den in Pazifik gesammelten Seewassertemperaturdaten  vor 10 Jahren Stellung genommen[5], mit der Feststellung, daß die Bedingungen zwischen 1939 und 1945 so ungewöhnlich und vielschichtig waren, daß von diesen eine sichere Aussage zu der Dauer des El Niño kaum gemacht werden kann. Dies gilt auch für die Aussage, daß die Wassertemperaturen im Nordpazifik ungewöhnlich tief gewesen sein sollen.

In Zusammenfassungen der Brönnimann Thesen der Uni Bern[6] und der Uni Zürich[7] wird auf den Marsch der deutschen Truppen nach Moskau im Herbst 1941 hingewiesen, die Anfang Dezember von einem plötzlichen Wintereinbruch überrascht wurden. Für Temperaturen um 40 Grad unter Null seien die Truppen nicht gerüstet gewesen. Sie blieben wenige Kilometer vor Moskau stecken. In weiten Teilen Europas sei es der kälteste Winter des 20. Jahrhunderts gewesen, der dritte aussergewöhnlich strenge Winter in Folge.

Die tatsächliche Sachlage war dramatischer. Nordeuropa war für drei Winter plötzlich in die Kleine Eiszeit zurückkatapultiert worden, so war z.B. der Winter 1939/40 für  Berlin und Halle der kälteste seit 110 Jahren. Diese Kaltwinter haben unter den Augen der modernen Wissenschaft stattgefunden, und bedürfen einer Erklärung, da dies viel zum Verständis der gegenwärtigen Klimadiskussion beitragen könnte (siehe oben). Die auf dieser Homepage angegebenen Links führen zu umfassenden Material und Analysen.

Mit freundlichen Grüßen
Arnd Bernaerts

 

[1] Broennimann, S.; Luterbacher, J.; Staehelin J., Svendby, T.M.; Hansen, H. & Svenøe, T.; 2004‚”Extreme climate of the global troposphere and stratosphere in 1940–42 related to El Niño”, Nature, Vol. 431, p. 971-974.

[4] Vergleiche dazu  meine Ausführungen in 2004, Chapter 2_12, Section “What role did El Nino play?”, http://www.seaclimate.com/

[5] “Reliability of sea-surface temperature data taken during war time in the Pacific’, Presented at the PACON ‘Symposium on Resource Development’, August 8-9, 1997, Hong Kong. Published in: PACON 97 Proceedings, pp. 240-250. (siehe: rechte Spalte, “SST-Pacific 1997”)