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Warum stockte die Westwinddrift im Herbst 1939?
War das bereits der Auftakt zum Extremwinter 1939/40?

Von Ozeanklima 05 Oktober 2009

Seit dem 1. September 1939 war Westeuropa im Krieg. Tausende Panzer, Flugzeuge und Marineschiffe waren tag-täglich im Einsatz. Schon nach wenigen Wochen wich auch das Wetter vom statistischen Mittel ab, z. B. was den Niederschlag in bestimmten Regionen betraf, der vorherrschenden Windrichtung und dem Einfluss der Westwinddrift auf Europa, dessen Ausbleiben im Herbst 1939 Gegenstand der heutigen Erörterung sein soll. Dazu werden die Witterungsberichte der Deutschen Seewarte in Hamburg herangezogen, die dem Reichsluftfahrtministerium zugeordnet war. 

Die Chronologie lässt erkennen, dass im Herbst 1939 die Westwinddrift nicht das machte was die zuständigen Meteorologen erwarteten. Im Einzelnen ergab sich folgendes Bild (stark verkürzt): 

29. September, In der Großwetterlage lässt sich die um Monatswende, fällige Umgestaltung deutlich erkennen, die das Endes der Altweibersommer-Lage kennzeichnet und die hinüberführt in eine Zeit erhöhter Zyklonenfrequenz über Europa. 04 Oktober, Damit dürfte sich dann ......der subtropische Hochdruckgürtel in den Raum östlich der Azoren ausbreiten, so dass eine mehr durchgehende Westwinddrift eintreten könnte. 

07. Oktober, Über dem Nordatlantischen Ozean lebt die Wirbeltätigkeit wieder auf, und zwar diesmal ziemlich weit südlich, während das Tiefdruckgebiet bei Island sich auffüllt. 12. Oktober, über dem Nordatlantischen Ozean.... ist die Wirbeltätigkeit sehr rege.

25. Oktober, Die Hochdruckzone, die sich von Grönland bis zu den Azoren erstreckte, hat sich noch etwas verstärkt, und damit konnte sich die Westwinddrift, die sich am Anfang dieser Wochen über dem atlantisch-europäischem Raum anzubahnen schien, nicht durchsetzen. 

31. Oktober, Nördlich (eines südskandinavischen Hochs) herrscht lebhafte Westwinddrift.

02. November; Es ist in den vorliegenden Berichten schon öfter darauf hingewiesen worden, dass in diesem Jahr die Westwinddrift der gemäßigten Breiten nur sehr schwach ausgeprägt ist und über Europa fast gänzlich fehlt.

Die Westwinddrift-Lage änderte sich auch danach nicht mehr entscheidend. Ein kräftiges Hoch über Skandinavien und Kaltluft aus dem Osten versperrten der Drift den Weg, um über Mitteleuropa hinweg ostwärts zu fließen. Stattdessen stürmten die Tiefdruckgebiete übers Nordmeer oder über die Iberische Halbinsel gen Osten. Gab es erklärbare Gründe für dieses ungewöhnliche Wetterverhalten? Immerhin folgte unmittelbar darauf der kälteste Winter in Mitteleuropa seit über 100 Jahren. Wir sind der Auffassung, dass der Seekrieg dabei eine wichtige Rolle gespielt hat (siehe hier:  http://www.seaclimate.com/ ). Nach 70 Jahren scheint es an der Zeit, dass sich auch die Wissenschaft dafür interessieren sollte, denn vermutlich war der Zweite Weltkrieg mit seinen Seekriegsaktivitäten in Europa und in den Weltmeeren, das größte Klimaexperiment der Menschheit. Es wäre schon interessant und wichtig zu wissen, ob durch die Kriegsereignisse in Westeuropa die Westwinddrift „vorzog“ entweder über Nordskandinavien oder der Iberischen Halbinsel hinweg das Weite zu suchen.   

  Ergänzende Information:

___11 Oktober,  Weiter im Osten des Reiches ist wieder Abkühlung durch die vom finnischen Hoch herangeführte kalte Luft arktischen Ursprungs eingetreten (Königsberg –3° im Mittel). Im Bereich dieser Luftmassen ist es in der Danziger Bucht erstmalig in diesem Jahre zu leichten Schneefällen gekommen. 

___29 Oktober, Das Sauerland meldete gestern Abend eine Schneetiefe von 35 cm.

Dazu noch diese Meldung aus der Schweiz bezüglich Schnee im Oktober1939 und 2008:

Neue Zurcher Zeitung[1];  30 Oct 2008; In der Nacht zum Donnerstag fiel im Flachland zum Teil so viel Neuschnee wie noch nie in einem Oktober seit Messbeginn (1931), wie Meteo-Schweiz mitteilte. Am Zürichberg beispielsweise hatte der Neuschneerekord im Oktober bisher bei 14 Zentimetern im Jahr 1939 gelegen

 Anmerkung: Die Wetterkarten sind erstellt nach Vorlage der „Seewarte“, vereinfacht und ohne Einzelheiten wie Fronten etc.

 Das vorangegangene Thema (29. Aug. 09) war:

1. Sept. 1939: Der 2. Weltkrieges brachte Elend
 und eine globale Kaltperiode