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KLIMA-MEER-RECHT

Dr. Arnd Bernaerts

Betrifft:

„Hier gibt es nichts zu zweifeln“, Konrad Kleinknecht’s Artikel
am 14. September 2007 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Hamburg, den 17 September 2007

Willkommen Web-Besucher,

 Aussagekräftiger als die Artikelüberschrift ist die im Untertitel erkennbare Meinung von Herrn Kleinknecht: Der Klimawandel ist kein Fall für den Debatierclub: Wir müssen die Verschwendung fossiler Brennstoffe stoppen“[1]. Nach Rahmstorf (siehe Archiv, 5 Sept. 07) versucht auch Kleinknecht IPCC[2]-Skeptiker aus der öffentlichen Debatte über den Klimawandel zu drängen.

 Es ist schon erstaunlich wie renommierte Professoren der Physik, argumentieren. Es geht doch nicht um Zweifel an einem seit 20 Jahren evidenten Temperaturanstiegt[3], es geht darum, dass Dinge vermischt werden, die sehr säuberlich getrennt bewertet und diskutiert werden sollten. Natürlich ist jegliche Verschwendung fossiler Brennstoffe zu reduzieren[4]. Diese Frage ist auch nicht neu. Neu ist, dass das IPCC und Organisationen[5] diesen Aspekt rücksichtslos für die Erlangung von Geld, Positionen und politischer Einflussnahme einsetzen.

 Wie rücksichtslos man seit Jahren vorgeht lässt sich an dem gerühmten Klimaabkommen[6] nachweisen. Das zentrale Wort aller Diskussionen: Klima, wurde überhaupt nicht definiert.  Dazu mehr auf: http://www.whatisclimate.com. Wie kann Wissenschaft arbeiten und mit der Politik und der Bevölkerung kommunizieren, wenn sie nicht definieren kann, was sie vorgibt zu verstehen[7].

 U. a. meint Herr Kleinknecht die Bedeutung der Atmosphäre so erklären zu müssen: „Aber auf der Erdoberfläche herrscht im Mittel eine Temperatur von 15 Grad. Das verdanken wir dem natürlichen Treibhauseffekt, der von Wasserdampf und Gasen in der Atmosphäre hervorgerufen wird.“ Dies mit den 15 Grad ist zwar richtig und gleichwohl  nur 1/10 der Wahrheit. Die 15 Grad sind nur möglich weil die Erde die Ozean hat. Ohne die Ozeane und deren permanenten Einspeisung von Wasser und Wärme in die Atmosphäre, hätten wir auf der Erde Bedingungen wie auf dem Mond, d.h. plus ca. 135 Grad am Tag und minus ca. 155 Grad bei Nacht, im Durchschnitt minus 11 Grad. Der Treibhauseffekt ist ein Appendix der Ozeane, und die Ozeane bestimmen wohin die Reise mit dem globalen Wetter geht. Eine Klimadefinition macht z.B. Sinn wenn sie lautet: Klima ist die Fortsetzung der Meere mit anderen Mitteln[8]. Schnell würde erkennbar, das Kleinknecht´s Treibhauserklärung mächtig schief ist.

 Wenn Herr Kleinknecht nach einer Arktisreise vom ‚Gefühl der Unwirklichkeit’ erfasst wurde, so stellt sich doch die Frage, warum er und Kollegen nicht die viel dramatischere Erwärmung am Ende des 1st Weltkriegs erklären können, siehe dazu: http://www.arctic-warming.com. Wer dieses Ereignis nicht erklären kann, wirkt nicht unbedingt überzeugend mit Begründungen zur derzeitigen Erwärmung in der Arktis.

 Zum Schluss ein Dank von mir an die FAZ, die sehr dazu beiträgt, dass IPCC-Vertreter und Befürworter ihr streben nach Deutungshoheit nicht zu sehr überdrehen können.

Mit Gruß

Arnd Bernaerts



[1] Konrad Kleinknecht, FAZ, 14. September 2007.

[2] Intergovernmental Panel on Climate Change

[3] Siehe dazu meine Ausarbeitung im Jahr 1992 für einen Vortrag bei GKSS (linke Spalte)

[4] Mit dieser Frage habe ich mich im Zuge meiner Doktorarbeit Anfang der 1970 Jahre sehr auseinandergesetzt und hätte eine Plannung unterstützt die vorsieht, das die Generation im Jahr 2200, noch wenigsten 50% der jetzigen fossilen Energiereserven zur Verfügung stehen.

[5] Z.B.:  World Meteorology Organisation (WMO),  United Nations Environment Programme (UNEP)

[6] United Nations Framework Convention on Climate Change, 1992, in Kraft seit 1994

[7] Auch in dem jüngsten IPCC Report – Glossary  (2007) wird Klima definiert als:  (a) “Climate in a narrow sense is usually defined as the average weather,…”.  (b) “Climate in a wider sense is the state, including a statistical description, of the climate system”. Kommentar: das ist weder logisch, noch macht solch ein Text viel Sinn, denn Wetter-Statisken werden nicht dadurch ‚etwas anderes’, weil man ihnen einen anderen Namen gibt.  

 


[1] http://www.pik-potsdam.de/~stefan/ ; Professor of Physics of the Oceans, Potsdam University  

[2] Arnd Bernaerts, „Versäumisse der Wissenschaft“,   DIE WELT, 26 April 1994, FORUM, Die andere Meinung, Seite 5.

[3] Bert Bolin,  “Next step for climate-change analysis”, Nature, Vol. 368, 1994, p. 94, here quoted with the statement: “More problematic are the popular articles in the daily press, written by people, often well-known in other areas, who do not know much about the basic scientific literature in the field.”

[4] UNFCCC, United Nations Framework Convention on Climate Change

[5] Statt dessen werden z.B. Klimaveränderungen und Klimasystem definiert, was keinen  Sinn macht, wenn man nicht vorher Klima definiert hat; siehe dazu diverse Artikel zugänglich,  Kasten links: Material in Deutsch

[6] S. Rahmstorf, H.J. Schnellhuber; “Der Klimawandel”, 4 Auflage 2007, Seite 98.

[7] Ditto, Seite 12

[8] Denn noch wird Klima in der Wissenschaftsliteratur als das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum definiert.

[9] Siehe das Kapitel 2 in “Der Klimawandel”, überschrieben „Die globale Erwärmung“, Seite 29 bis 52.

[10] Seite 13; Auszug: Klimaänderungen sind die Folge von Änderungen in dieser Energiebilanz.