Seewassertemperaturmessungen
von Schiffen
25. August 2010
“Zur
Bestimmung der Seewassertemperaturen: Ein Schiff wird kommen…
…und
das bringt mir den Eimer. So könnte eine Hymne für Klimastatistiker auch
beginnen. Jedenfalls wurde auf diese Weise über viele Jahrzehnte (bis
etwa 1941) ausschließlich und wird auch noch heute in nennenswerten
Anteilen die Oberflächentemperatur der Ozeane (SST, „Sea Surface
Temperature“
) gemessen. Ein Eimer wird vom Schiff
herabgelassen, ins Wasser getaucht und wieder hochgezogen. Woraufhin
irgendein Seemann irgendein Thermometer in diesen Eimer hält und an
diesem die Temperatur abliest.“
Das
ist der Anfang eines Artikels von Peter Heller vom 8 August 2010 – der
vollständige Text - HIER
(ScienceSkeptical) oder HIER
(EIKE, 24 August 2010).
Mein Kommentar am 11. August
2010 (ArndB) dazu bei ScienceSkepticalBlog:
Seewassertemperaturmessungen
und ihre Verwendung als „Klimadaten“ hat viele Tücken. Das beruht
nicht nur alleine auf unterschiedlichen Messmethoden, insbesondere ob es
sich um direkte Messungen (mit Pützen) oder um Kühlwassertemperaturen (für
die Schiffsmaschine) handelte. Um den Daten-Ursprung zu ermitteln, müsste
jedes einzelne Schiffstagebuch und der entsprechende tägliche Eintrag
ausgewertet werden. Hinsichtlich direkter Messungen (Seewasser schöpfen
und messen) waren die Mittel über bestimmte Zeiträume weitgehend
vergleichbar. Z.B. wurden in den 50er und 60er Jahren Spezialthermometer
verwendet (Isolierter Behälter mit eingebautem Thermometer) die grundsätzlich
eine „genaue“ Messung ermöglichte.
Doch was heißt in diesem Sinne genau? Abweichungen von bis zu 1 Grad
plus/minus musste mindestens einkalkuliert werden! Auch bei größter
Sorgfalt war größere Genauigkeit nicht drin. Für die Klimaforschung
sind selbst diese Daten wenig geeignet.
Völler Schrott sind insbesondere alle Daten die während des 2.
Weltkrieges im Atlantik und Pazifik genommen wurden. Siehe dazu (in der
rechten Spalte) zwei Aufsätze (in Englisch):
___Atlantic SST, 1998; und ___Pacific SST, 1997.
An diesen Daten kann nichts korrigiert werden, und für die Zeit vor und
nach dem 2.WK werden generelle Korrekturen kaum mehr als zu spekulative
Annahmen führen.
In
den „Annalen der Meteorologie, 1951 (s. 479 & 439) sind zum Thema
zwei Beiträge:
Karl
Gödecke (S. 479): Die Marine-Pütz mit Wasserthermometer“:
„Schon
vor 1900 hatte der damalige Feinmechaniker der Deutschen Seewarte, Carl
Seemann, einen Wasserschöpfer in einfacher Form gebaut“, siehe
Abbildung, und sie besteht laut Gödecke aus:
___(1)
einem kräftigen Schöpfgefäß aus Bronze, dessen Schicht zwischen dem
Doppelboden mit Kork isoliert ist. Am oberen Rand des Gefäßes befinden
sich die Einlauföffnungen, die im Schnitt zu sehen sind.
___(2)
einem Gummipuffer mit Luftpolster, der auf dem Metallgefäß fest
verkittet wird. Er soll die Stöße an der Bordwand abfedern. (Auslassung)
___(3)
einer Schutzhülle mit drehbarem hochglanzpoliertem Strahlungsrohr für
das Thermometer.
___(4) einem Präzisions-Wasserthermometer
mit blauleuchtendem Quecksilberfaden, das zum Abfangen der Stöße oben
und untern in Federn gelagert ist.
Anmerkung: In den
50er und 60er Jahren wurden modifizierte Messgeräte verwendet, die
weniger kompliziert aussahen, aber sicherlich keine schlechteren Messwerte
lieferten.
Hans-Ulrich
Roll (S. 439): „Wassertemperaturmessungen an Deck und im
Maschinenraum”
„Zusammenfassung: Bei 410
Vergleichsmessungen der Wassertemperaturen an Deck und im Maschinenraum,
ausgeführt in Nord und Nordmeer vom Juni bis Oktober 1950, erreichen die
Unterschiede zwischen beiden Methoden in 73,5% aller Fälle höchstens +/-
0,3°C. Hierbei wurden systematische Verfälschungen der Messungen im
Maschinenraum durch geeignete Meßmethoden vermieden. Die bei Windstärke
bei 4 Beaufort aufgetretnen negativen Differenzen Deck – Maschine
können
auf Fehler der Wassertemperaturmessungen an Deck infolge Wärmeaustausch
und Verdunstung zurückgeführt werden. Windkanaluntersuchungen liefern
dafür Korrekturwerte, die die mittleren Abweichungen Deck – Maschine
auf maximal +/- 0,12°C herabdrücken.“
Anmerkung: Bei
der von H.-U. Roll ermittelten weitgehenden Übereinstimmung zwischen Deck
und Maschine muss berücksichtigt werden, das die Vergleichsmessungen auf
dem Fischereischutzboot „MEERKATZE“ vorgenommen wurden, was ein sehr
kleines Schiff war, (siehe Schiffsmodel),
bei 56.5 Meter Länge und 673 Brutto Registertonnen.
Fazit: Die täglich
ermittelten Werte und deren sofortige Übermittlung an die Wetterdienste
erfüllten für die Erstellung von Wetterkarten und Analysen ihren Zweck.
Für die Klimaforschung sind sie m.E. ungeeignet.
Von ArndB/24 August 2010